Urlaub. Erstmal nich, aber immerhin schon Semesterferien, seit heute 12 Uhr. Und es geht direkt am Wochenende zum hübschen melt. Obwohl ich Festivals kacke finde. hüstel. Aber die Musik und die Begeisterung der schonmaldagewesenen hat mich übezeugt. Und jetzt bleibt mir nur zu hoffen, dass das Wetter wenigstens besser wird! Danach geht’s zurück zum Mitbewohner suchen.
Heute Abend feiere ich meinen persönlichen Semesterabschluss im amp. Juchhu.
Wie Phönix aus der Asche: ich werde wieder schreiben. Auch wenn ich inzwischen wieder zwischen Westfalen und Rheinland pendle und nicht mehr zwischen Studentenwohnheim Lappkärsberget und Södermalm (schnief)… aber es passieren auch so tolle, schwedische Sachen. Zum Beispiel entdecke ich immer mehr schwedische Musikhighlights. Wie Lykke Li.
Und das auch noch in der Straße mitten auf Södermalm, wo im Umkreis von 40 Metern fast alle Lieblingsplätze versteckt sind. Hinter dem Baugerüst auf der anderen Straße gehts zum Beispiel zur Boule Bar runter!
und zwar 260 km nördlich des Polarkreises! Sprich: Kiruna in Lappland. Nördlicher in Schweden geht’s nicht. Am letzten Samstag haben wir uns 17 Stunden in einen Zug gesetzt und uns auf eine Reise begeben, die stark an die Klischees des Orient- oder Transsibirienexpresses erinnerten. Ungemütlich, aber spannend und schön. Die ganze Reise von Samstag bis Mittwochmorgen hat Lena ausfürlich dokumentiert. Nur soviel: Erzmine, Schnee, Hundeschlitten und Belgier plus Sören aus Taiwan, die bis dato noch nie in ihrem Leben eine solche Menge Schnee gesehen und somit auch nicht erlebt haben. Unglaubliche Erkenntnisse: Schnee ist kalt und schmilzt, wird also zu Wasser, ist also nicht so angenehm nach einer Schneeballschlacht. Vor allem, wenn man in weiser Voraussicht nur eine Hose mitgenommen hat.
Nett auch die Weisheiten von Niklas, unserem Hundeschlitten-Guide:
über Suppe, die es als Mittagessen gab, für Lena extra vegetarisch, für den Rest mit Elchfleisch: “Tsss, Gemüse! Sollte man nie mit Fleisch mischen. Meine Elchsuppe besteht auch nur aus Fleisch und Wasser!”
zu Endrio, unserem Italiener, der den Lappland-Kaffee verschmähte: “Pah, das ist richtiger Kaffee! Nicht so ein armes Pfützchen, wie dieser Expresso. Und dann trinken sie den neuerdings auch noch aus Gläsern…”
Ein paar von den 890 Fotos gibt es hier.
Ach, aber schön wie mein Korridor mich vermisst und mir ein kleines Denkmal setzt: das hat während meiner Zeit im Wohnheim Lappis mein Küchenrevier (Schrank) markiert.
Und da unser Fernseher den Geist aufgegeben hat sind wir auf diese Weise so lange gegenwärtig bis er repariert ist.
So. Jetzt wirklich und richtig ausziehen. Nachdem wir Mittwoch mittags aus dem hohen Norden zurück in Stockholm angekommen sind und ich erst Donnerstag nach Weeze geflogen bin, hatte ich also noch einen Tag Zeit allen (oder auch eigentlich fast niemandem) Adjö zu sagen. Irgendwie passt nicht viel in einen Tag rein! Außerdem musste ich auch noch weiterhin packen, da ich am Samstag bei meinem Zimmerauszug ja nur schnell alles in Endrios Zimmer geschmissen hatte. War nicht wirklich klug, denn viel zu viele Sachen in eine Tragetasche reinzupressen, wenn man nur noch gefühlte drei Stunden bis zum Abflug Zeit hat erzeugt erheblichen Stress. Vor allem wenn man dann doch lieber den letzten Nachmittag auf Söder im Mega-angesagten Café String mit der hippen in-crowd und Lena abhängt. Alle mit Macbook neben dem Kaffe und alle zufälligerweise grad bei Facebook online um direkt die Leute im Café zu checken…
Auch wenn Packen und Abschiedskaffee doch noch zeitlich gepasst haben: das stinkt! Auf den letzten Tag hätte ich echt gerne verzichten können. Ich war so aufgeregt und deprimiert, nicht mehr in der tollsten Stadt zu wohnen, dass ich schließlich nur noch wollte, dass alles ganz ganz schnell vorbei ist. Bäh…
Alles in allem: nicht genug Leuten Tschüss gesagt, am letzten Abend auch “nur” mit den üblichen in der Korridorküche versackt und auf keine angesagte, megatolle Party in der Stadt mehr gegangen. Uncool? Egal.
Donnerstag dann mit Sack und Pack und Stuhl im Bus 80 Minuten nach Skavsta, dem niedlichen Ryanair-Flughafen. Und dann spinnt iTunes auch noch, also höre ich seit einem Monat dieselben Lieder, dieselbe Playlist auf meinem Shuffle. Alles ist böse!
Und ich zuhause. Toll..?
Teil 2, da ich vor Weihnachten schon meinen ersten, viel traurigeren Abschied nehmen musste, und Teil 2 auch, weil ich heute erstmal “nur” aus meinem kleinen gemütlichen Wohnheimszimmer ausziehen muss… bäh. Ab Montag wird hier ein neuer Student (jaaa… oder auch Studentin) der Universitet wohnen, pah. Aber der neuen “Person” haben meine Mitbewohner schon den Krieg und grenzenlose Ausgrenzung angesagt. Natürlich nicht, falls es sich entweder um eine “well-equipped”, einsame, blonde Party-Schwedin oder einen handsome, cute, hot Guy handelt.
Hier zu wohnen werde ich ganz schön vermissen und ehrlich gesagt hätte ich nicht im geringsten gedacht, dass mir ein Wohnheimsleben mit elf anderen Leuten und einer Küche gefallen könne. Aber: es war supertollklasse! Fürs erste ziehe ich aber nur 2 Meter weiter in Endrios Zimmer. Schließlich bleibe ich der schwedischen Coolness noch etwas länger erhalten und fahre heute Nachmittag mit 7 anderen nach Kiruna. Und meinen richtigen letzten Tag als hier wohnende Sarah werde ich dann Mittwoch haben. Bevor es am Donnerstag von der Södermanland-Metropole Nyköping mit dem Luxusflieger in die rheinländische City Weeze geht. Vorher dürft ihr mir bitte die Daumen drücken, dass wir am Polarkreis auch Nordlichter sehen werden und die Hundeschlittenfahrt ohne Unfälle überstehen.
Na gut. Ich kann mich nicht länger davor drücken. Ich muss mein Zimmer ausräumen und meine Sachen packen. Wie schrecklich.
Gut, ich bin bald weg, ich darf mich nicht beschweren. Meint mein belgischer Mitbewohner Minh. Ich muss nur noch eine Woche diesen Höllenlärm aushalten, er noch bis April. In unserem Haus werden die Bäder renoviert. In jedem Zimmer. Auf 3 Stockwerken. 11 Zimmer, also Bäder, je Stockwerk. Es wird auf jeder Etage in 3 Zimmern gleichzeitig gearbeitet. Das heißt, ich wurde heute morgen um Punkt 8 von 5, gefühlten 20, Presslufthämmern geweckt, mit denen sämtliche Armaturen und Wandverkleidungen rausgerissen werden. Oder was man sonst noch so damit macht. Vielleicht holzen auch 300 Männer gleichzeitig gerade einen Wald über mir ab…
Die Gefühlswelt, die man an einem Tag mit diesem Lärm durchlebt, reicht dann von Nervenzusammenbruch bis Aggressionen und Wutanfällen. Warum, ist man geneigt zu fragen, warum machen die so etwas denn nicht in den 2 Sommermonaten, in denen eh niemand hier wohnt und man zumindest nicht, wie jetzt in diesen Tagen, permanent lernen muss (gut, sollte), weil an der Uni momentan die heiße Endklausurphase läuft. Ok, man könnte auch diszipliniert um 8 Uhr aufstehen, sich in die Bibliothek zurückziehen und lernen und um 16 Uhr nach Hause kommen. Dann gehen unsere derzeitigen Lieblingshandwerker nämlich nach Hause. Könnte man…
Aber nicht, wenn man gerade die Tage zählt und täglich Abschied feiern und folgerichtig am nächsten Morgen ausschlafen müsste!
Kein Wunder, dass meine Laune und die meiner Mitbewohner auf dem Tiefpunkt ist. Und dann auch noch ein Tentamen (Prüfung) in 90 Minuten.. oh oh.
Der Countdown läuft und läuft und… In 10 Tagen fliege ich für “immer” zurück nach Deutschland. In mancher Hinsicht schade und traurig, in anderer auch nicht. Für mich aber typisch: die Torschlusspanik setzt ein! Ich habe das Gefühl, Stockholm überhaupt nicht genug zu kennen! Ich habe nicht genug gemacht! Mir fehlen noch zuuuu viele Häkchen auf der To-Do-Liste! Deshalb, um mich selbst unter Stress zu setzen, eine letzte Liste:
- im Sommer auf der Wiese auf Djurgården liegen
- noch in die mindestens 20 young/fresh/ourban oder hippen oder fancy Clubs gehen, in denen ich nie war
- Essen im Cafe Vurma
- eislaufen im Kungsträdgården mitten in der Stadt
- Nils in Göteborg besuchen
- Wochenendausflug auf Öland
-Eishockeyspiel im Globen ansehen
- segeln
- ausnahmsweise die Stadtgrenzen Stockholms verlassen. (ich habe nicht einmal Uppsala gesehen, obwohl dieses berühmte schwedische Studentenstädtchen gerade mal 40 Minuten Bahnfahrt entfernt ist…)
… da reicht die restliche Woche wohl nicht. Immerhin geht es am Samstag geschlagene 16 Stunden mit dem Zug nach Kiruna, Lappland!
Das vermittelten jedenfalls die hierzulande geliebten Editors bei ihrem längst ausverkauften Konzert im Debaser Medis am vorvergangen Dienstag. Wie sehr Tom Smith doch leidet und mit ihm das gesamte schwedische Publikum. Zunächst war es noch recht nett, trotz “Light Show”, die wohl eher für große Stadien a la U2 gedacht war und es zeitweise unmöglich machte Richtung Bühne zu blicken ohne das Augenlicht zu verlieren.
Gegen Ende der Zugabe wurde mir allerdings kurzzeitig übel. Die schlecht dargestellte Theatralik des Mr. Smith - inklusive auf die Box springen und ungesund den Rücken überdehnen - gemischt mit dem selbstverliebten Modeopfern vor der Bühne, brr…. Immerhin waren die Schwedenendlich mal richtig mit dabei! Naja. Meine Mitkonzertgänger Lena, Minh, Karel, Johann und Wannes fanden das alles nicht so schlimm und waren etwas mehr begeistert.
Ich gehe dann doch lieber zu positiveren Bands. Wie den umwerfend netten Wombats aus Liverpool. Die gaben ihre hübschen, schnellen Lieder vor ein paar Wochen im anderen Debaser zum besten.
Gut, dass vorher gerade noch Hotte da war und mich überzeugen konnte den laaaaangen Weg durch Eis und Schnee an einem Mittwochabend anzutreten. Lena und ich wären fast schon wieder im warmen Zuhause vor dem Fernseher kleben geblieben… Aber dann habe wir uns doch aufgerafft. Und: ein perfektes Konzert von Anfang an. Keine Schlange, direkt an der Gaderobe Jacken abgegeben, währenddessen betritt die Band schon die Bühne, erstes Lied direkt “Kill the Director”, und: wenig Leute. Das war für die lieben Jungs bestimmt nicht so toll, aber wir konnten die Musik bequem aus 2 Meter Nähe genießen. Als ich mir eine Limonade holte hatten die zwei Barkeeper sogar solche Langeweile, dass sie erstmal SchnickSchnackSchnuck gespielt haben, wer mich bedienen muss. Tssss…
Toll! Frieda kommt am Wochenende! Vorher rufe ich sie natürlich an um die letzten Feinheiten zu klären. Das weiß der gewitzte Busfahrer im deutschen Norden zu vereiteln:
F: Sarah! Hallo!
S: Frieda, endlich erreiche ich dich mal!
F: Ja, tut mir leid. Grade auf dem Heimweg. Und ich kann auch nich telefonieren, in Wilhelmshaven ist telefonieren im Bus verpöhnt.
S: Oh, wirst du schon böse angeschaut?
F: Ja, der Busfahrer macht gleich ne Durchsage…
Ich hoffe Frieda bekommt im liberalen und telefoniersüchtigen wirklichen Norden keinen Kulturschock. Hier kommuniziert man sogar in der U-Bahn und das mit Freisprecheinrichtung! Hah!